Leben mit Schizophrenie

Leben mit Schizophrenie - Eine Plattform für Angehörige, Betroffene und Forschung

Schizophrenie und Familie

Angehörige müssen keinesfalls hilflos bei der Erkrankung eines Familienmitgliedes zusehen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie auch sie positiv auf den Verlauf der Erkrankung einwirken können. So sind beispielsweise Verständnis, emotionale Wärme, positive Bemerkungen, Sorge und Interesse am Anderen hilfreiche Verhaltensweisen. Sie können den Erkrankten bei der Behandlung unterstützen und in belastenden Situationen bewusst entlasten. Zudem können sie ihn auch zum selbstständigen Handeln ermutigen und ihn in familiäre Aktivitäten miteinbeziehen. Durch Loben von Selbstständigkeit und dem Herstellen einer klaren Tagesstruktur helfen sie bei der Erhaltung der Fähigkeiten des Erkrankten.



Offenheit in der Familie

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Angehörige bei der Krankheitsbewältigung miteinbezogen werden können. Eine Basis für Verständnis und Umgang mit veränderten Lebensbedingungen, die durch eine schizophrene Psychose entstehen können, ist die Offenheit in der Familie. Nöte, Sorgen und Ängste werden nur dann zufriedenstellend bewältigt, wenn miteinander offen über vorhandene Probleme gesprochen wird.

Von Angehörigen werden oft Schuldgefühle, die Erkrankung und den stationären Aufenthalt mitverursacht zu haben, geäußert. Wer sich freimacht von Schuldvorwürfen und dem Druck des schlechten Gewissens, kann das ganze Problem wahrnehmen, ist wieder frei als Handlungs- und Verhandlungspartner, kann "ja" oder "nein" sagen, kann eigene Fehler erkennen, anerkennen und ändern, kann Verantwortung ablehnen und übernehmen.

Wie können Angehörige helfen?
Im Einzelfall kann man gut verstehen, daß auch den Angehörigen manchmal die "Nerven durchgehen" und sie gereizt, ungeduldig und überkritisch gegenüber dem schizophren Erkrankten reagieren. Die Erfahrung hat gezeigt, daß es sich lohnt, derartige Verhaltensweisen möglichst zu vermeiden, weil solch ein Umgangsstil äußerst kränkend/beschämend für den Erkrankten ist.

Sehr ausgeprägte gefühlsmäßige Reaktionen sollten vermieden werden:
- Überfürsorglichkeit und Bevormundung
- Kritikfreudigkeit
- Feindselige Ablehnung

Ein Mindestmaß an Information über die Erkrankung trägt zu einem besseren Verständnis bei. Vertrauen und Ehrlichkeit sind für den schizophren erkrankten Menschen eine große Orientierungshilfe. Erfahrungsaustausch mit anderen Angehörigen (Angehörigen-Gruppe) tragen dazu bei, sich seine Eigenständigkeit zu erhalten und sich nicht durch Selbstaufgabe zu verlieren. Sich untereinander nicht überfordern und entwerten, eigene Freiräume schaffen kann neue Kräfte freisetzen sich selbst und dem Erkrankten zu helfen. Soziale Kontakte aufrechterhalten bzw. wiederherstellen ist dringend notwendig. Da Angehörige die wichtigsten Mitbehandler "Co-Therapeuten" der hauptberuflichen Helfer sind, versteht es sich von selbst, eine Zusammenarbeit anzustreben.
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